Objekt 2: Mykenisches Trinkgefäß – Essen und Trinken in der griechischen Bronzezeit

Mykenischer Becher auf hohem Fuß (sog. Kylix). 13. h. v. Chr.

Wein. Wie bei unserem ersten Thema, entsteht hier durch Gärung ein schmackhaftes Produkt. In diesem Fall durch die Gärung von Trauben der Weinrebe. Spätestens seit der Sesshaftwerdung der Menschen im Neolithikum wurde Wein in Griechenland gekeltert. Ein Ursprungsort des griechischen Weinbaus ist übrigens der Osten von Kreta.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Mykener große Feste, wahrscheinlich religiöser Natur, veranstaltet haben. So fand man zum Beispiel in Pylos große Mengen an Trinkgeschirr, das wahrscheinlich für hunderte Personen ausreichte. Passend dazu wurden in den dortigen Magazinen auch etliche Pithoi geborgen, in denen hunderte Liter Wein gelagert werden konnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei diesen Zeremonien nicht nur getrunken wurde, sondern dass es auch Fleisch gab, dass nach Tieropfern gegrillt wurde.

Der hier vorgestellte Becher könnte bei einer solchen Zeremonie zum Einsatz gekommen sein.

Die Geschichte dahinter

In der Bronzezeit entstanden auf Kreta und dem griechischen Festland mit der minoischen und mykenischen Kultur die ersten Hochkulturen Europas. Aus dieser Zeit (1700-1200 vor Chr.) gibt es keine Kochbücher, sondern nur Tontafeln mit Linear B Schrift – doch da geht es lediglich um Verwaltungskram. Dafür aber werden Lebensmittel erwähnt, die auf dem Speiseplan der Mykener standen. Die mykenische Kultur bestand aus lokalen Königreichen mit riesigen Palast- oder besser Burganlagen, als Zentren. Bekannt sind vor allem die Paläste von Mykene, Pylos und Thyrins. Die Mykener haben weiträumig Handel getrieben und so finden sich Importe aus Ägypten, Syrien, Palästina, Kleinasien und Italien. Unter den Importen befanden sich natürlich auch exotische Lebensmittel.

Aber wie kochten die Mykener denn nun?

Wir kennen aus der mykenischen Kultur hüfthohe Stein- oder Backziegelöfen, die mit Holz oder Kohle befeuert wurden. Auf die Glut wurden dreifüßige Tonpfannen zum Braten gestellt, aber es gab auch die Möglichkeit, Nahrung auf einem Rost oder an Spießen zu garen.

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© Hellenic Ministry of Culture and Sports / Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul

Der dazugehörige Kamin diente nicht nur dem Rauchabzug, sondern auch der Lagerung von Käse, Fleisch und Würsten, die so geräuchert und damit haltbar gemacht wurden. Überhaupt waren die Mykener wahre Fans des Grillens. Bekannt sind vor allem tragbare tönerne Grills, sogenannte „Souvlaki-Grills“.

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© Hellenic Ministry of Culture and Sports / Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul

Aber die Mykener liebten auch herzhafte „Kuchen“, die man eher als Brote oder Vorgänger der Pizza bezeichnen könnte. So kennen wir z.B. eine Steinplatte, ähnlich dem „heißen Stein“, der in Deutschland vor allem in den 80ern beliebt war. Darauf legte man den Teigfladen. Darüber stülpte man dann eine tönerne Haube. So kann man schnell und effektiv Brot backen. Simulieren könnt ihr diese Technik am besten mit einer orientalischen Tajine oder dem etwas aus der Mode gekommenen Römertopf. Homer beschreibt in der Odyssee einen leckeren „tyrotarichus“, einen herzhaften Käsekuchen, der mit Honig gewürzt war und eine frühe Form der Pizza darstellt.

Ansonsten war die Ernährung der Mykener eine typisch mediterrane: Es gab Getreide (vor allem Gerste und Hirse), Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen und Kichererbsen), Oliven, Feigen, Käse, Honig, Olivenöl, Wein und Bier. Fleisch wurde seltener gegessen, und wenn, dann kamen Rind, Schaf, Ziege und Schwein auf den Tisch. Fisch und Meeresfrüchte standen auch hoch im Kurs. An Gewürzen wurden vor allem Dill, Koriander, Kümmel, Safran und Salbei verarbeitet. Wir wissen über die verwendeten Lebensmittel so gut Bescheid, weil wir einerseits die Linear B Inventarlisten haben und andererseits auf Grund von Micro- und Macro-Resten im Grabungsmaterial und Lebensmittelrückständen in der Keramik selber. Wir kennen also nur die verwendeten Lebensmittel aber keine Rezepte. Dr. Julie Hruby von der Universität in Darthmouth beschäftigt sich jedoch intensiv mit der mykenischen Kochpraxis und führt archäologisch fundierte Kochexperimente durch. Die Links dazu findet ihr am Ende dieses Artikels.

Das Rezept zum Objekt

Da wir über keine mykenischen Rezepte verfügen, müssen wir mit dem arbeiten, was wir haben: Archäologische Objekte, mit denen gekocht wurde und die Inventarlisten. Ich habe heute ein Rezept daraus für euch erarbeitet:

Mykenisches Käsebrot

Dieses herzhafte Brot wird in einer Tajine gebacken, damit ist es also ein sogenanntes Topfbrot. Ich backe meine Brote eh meistens in einem gusseisernen Topf oder einem Römertopf, aber die Tajine entspricht am ehesten der mykenischen Tradition.

Für den Sauerteig nehmen wir 50 Gramm Roggenmehl, 50 Gramm Wasser und 2 EL Sauerteigstarter. Alles gut verrühren und mindestens 12 Stunden an einem warmen Ort stehen lassen.

Dann vermengen wir den Vorteig mit 250 Gramm Weizenmehl Type 550, 250 Gramm Weizenvollkornmehl, 10 Gramm frischer Hefe, 250 Gramm Wasser und etwas Salz. Gut durchkneten, zu einer Kugel formen und abgedeckt eine Stunde gehen lassen.

In der Zwischenzeit heizen wir den Ofen auf 250 Grad vor. Sollte es sich um eine tönerne Tajine ohne Glasur handeln, muss diese gewässert werden. Egal, ob die Tajine beschichtet ist, oder nicht, reiben wir sie von innen mit von Knoblauch aromatisiertem Olivenöl ein, das selbe tun wir mit der Innenseite des Deckels. Nun stellen wir die Tajine zum Aufheizen für 10 Minuten in den Ofen.

Jetzt holen wir die heiße Tajine aus dem Ofen (Vorsicht: heiß!), nehmen den Deckel ab, packen den Brotteig auf die untere Form, setzen den Deckel wieder drauf und schieben das Ganze für 30 Minuten in den Ofen.

Dann holen wir die Tajine wieder heraus und bestreichen das Brot vorsichtig mit etwas Olivenöl und Honig und bestreuen das Brot dann mit etwas Kefalytiri-Käse oder Pecorino. Etwas frischer Oregano schadet auch nicht. Nun backt das Brot ohne Deckel noch einmal für 30 Minuten im Ofen. Genießt dieses wunderbare Brot mit etwas frischem Olivenöl, Oliven und einem Glas Rotwein.

edf
Bild: Diana Gedeon

Guten Appetit!

Links:

  1. Mykenische Rezepte auf Youtube
  2. Artikel über mykenisches Grillen
  3. Sammlung von Artikeln über mykenisches Essen und Kochen von Julie Hruby

Copyright Titelbild: Diana Gedeon 2018

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