Objekt 4: Motorroller Vespa Grand Sport, Baujahr 1955

Was es ist

 

Dieser Motorroller made in Italy mit satten 8 PS war bis ins Jahr 1961 das Spitzenmodell der Firma Piaggio. Kaum ein anderes Objekt aus den 50er Jahren vermag die Italien-Sehnsucht der Deutschen besser zu veranschaulichen als dieser Roller. Nicht nur das, denn Motorroller wie dieser stellen den Beginn der Massenmotorisierung in Deutschland dar.

Die Geschichte dahinter

 

Italien – noch heute verbinden die Deutschen damit oft eine Sehnsucht nach Sonne und Strand, die eine Heile (Urlaubs-)Welt versprechen. Doch wo kommt sie her, diese Reiselust mit dem Ziel Italien? Angefangen hat alles mit dem Wirtschaftsaufschwung, dem Wirtschaftswunder in den 50er Jahren. Ludwig Erhard versprach damals „Wohlstand für alle“ und tatsächlich erholt sich Deutschland schnell von den Kriegsfolgen – die Lebensstandards steigen. Gelockerte Reisebeschränkungen, erhöhter Urlaubsanspruch und ein Boom im Autohandel nährten den Wunsch vieler Deutscher auf Urlaub. Italien lag mit seinen Sandstränden ja fast vor der Türe und wurde so innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Ferienland – vor allem für Camper und Individualtouristen. Bücher, Filme und vor allem Schlagermusik taten ihr übriges, um den Trend noch zu verstärken. Auf diesen Urlauben lernten die Deutschen dann einige, ihnen unbekannte speisen kennen: z.B. Pasta und Pizza.

Dann sind da auch noch die Gastarbeiter, die die wachsende Industrie in Deutschland seit 1955 tatkräftig unterstützen. Von 1955 bis 1960 kamen die Gastarbeiter hauptsächlich aus Italien, dann auch aus den restlichen Mittelmeerländern wie Türkei, Griechenland oder Spanien. Diese Menschen brachten auch ihre eigenen Koch-Traditionen in die neue Heimat mit.

Neben der erwähnten Reiselust kam es auch zu der sogenannten „Fresswelle“. Nach der entbehrungsreichen Kriegszeit, steht nun ein reichhaltiger Speiseplan auf dem Einkaufszettel. Butter passte zu allem und Weißbrot wurde nach amerikanischen Vorbild sehr beliebt. Vor allem kamen jetzt Konserven und Tiefkühl-Produkte in Mode. Eine dieser Konserven-Gerichte stillte nicht nur den Hunger, sondern auch die Sehnsucht nach Italien: Die absolut unitalienischen Dosen-Ravioli eines bekannten badischen Brühwürfel-Herstellers aus Singen liefen ab 1958 vom Band. Verkauft wurden diese Dosen vor allem als „Küchenhilfe für die Hausfrau“, die damit prima Zeit sparte und sich anderen dringenden Aufgaben im Haushalt widmen konnte. Es war jedoch nicht dieses antiquierte Frauenbild, welches zum Erfolg der Ravioli führte, sondern das Italienfieber, das Deutschland fest im Griff hatte. Ganz im erhardschen Sinne versprach der Großkonzern „Italien für alle“ – auch außerhalb des Urlaubs. Dosen-Raavioli sind ja noch heute bei Campern und seien es auch nur Festival-Besucher, aufgrund ihrer praktischen Möglichkeiten, sehr beliebt. Und so verwundert die große Ironie nicht, dass auch die deutschen Camper in den 50er Jahren ihre Dosen Ravioli mit nach Italien nahmen. Mama Miracoli zog übrigens 1961 in deutsche Küchen ein und war ebenso erfolgreich wie ihr dosiges Pendant.

Nichtsdestotrotz war die erste erfolgreiche Länderküche auf deutschem Boden die italienische: 1952 eröffnete im bayrischen Würzburg die erste Pizzeria und ziemlich schnell folgten weitere. Bis in die 80er/90er Jahre hinein dominierten Pasta und Co den Fastfood Markt, bis er vom Döner abgelöst wurde, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden.

Das Rezept zum Objekt

 

Nein, wir öffnen keine Dose Ravioli und erhitzen sie, sondern machen sie selber.

Nudelteig

 

Für den Nudelteig brauchen wir je ein Ei auf 100g Mehl (Weißmehl Type 405). Für 4 Personen sollten 500g Mehl und 5 mittelgroße Eier ausreichen mit etwas Salz ausreichen. Den Teig gut kneten, zu einer Kugel formen und mindestens eine Stunde im Kühlsschrank ruhen lassen.

Währenddessen kümmern wir uns um die Sauce und die Füllung.

Füllung

 

eine kleine Zwiebel

2 Knoblauchzehen

150g Möhre

20g Stangensellerie

400g Rinderhack

2 EL Tomatenmark

80g Peccorino

80ml Rotwein

Das Bio-Rinderhackfleisch scharf anbraten. Währenddessen das Gemüse fein würfeln und mitdünsten. Tomatenmark dazugeben. Mit Rotwein ablöschen, die Flüssigkeit verkochen lassen. Peccorino unterheben. Abkühlen lassen.

Sauce

 

2 Schalotten

3 EL Olivenöl

1 kleine getrocknete Chilischote

1 kleine Möhre

1 Stange Staudensellerie

750g frische Tomaten

2 EL Tomatenmark

Basilikum und Oregano

Salz, Pfeffer

Die Schalotten fein würfeln und zusammen mit der gehackten Chilli in Olivenöl andünsten.

Die ebenfalls fein gewürfelte Möhre und der Sellerie dazugeben. Das Tomatenmark unterheben und mit andünsten. Die enthäuteten Tomaten würfeln und dazugeben. Etwa eine Stunde leicht köcheln und eindicken lassen. Nach Geschmack mit Olivenöl, Salz, Pfeffer, Oregano und Basilikum abschmecken.

Ravioli

Den Nudelteig halbieren. Eine Hälfte auf Mehl ca. 20 x 50 cm groß (sehr dünn!) ausrollen und mit Eigelb bestreichen. In 3 cm Abstand je 1 TL Hackmasse darauf verteilen. Übrige Teighälfte gleich groß ausrollen, darauflegen. Zwischenräume gut andrücken. Mit einem Teigrädchen ca. 5 cm große Ravioli ausradeln. Ravioli in viel siedendem Salzwasser ca 8 Minuten gar ziehen lassen. Ravioli mit Sauce anrichten.

Weiterlernen

50er Jahre Werbe-Videos auf Youtube

Rocco Granata: Marina

Spiegelartikel „Fresswelle nach der Fettlücke“

Spiegelartikel über die erste Pizzeria in Deutschland

Titelbild: Diana Gedeon

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