Objekt 5: Emaille Geschirr, 18. Jh.

Emaille, das weiße Wundergeschirr für die Küche

Bei Emaille handelt es sich um eine Schmelzglasur, die hauptsächlich auf Metallobjekte aufgetragen wird. Diese Technik ist der Menschheit schon lange bekannt, aber erst im Jahre 1788 wurden in Württemberg Töpfe und anderes Küchengeschirr emailliert. Es handelte sich z.B. um Töpfe, Siebe, Kellen, Teller, Tassen, Kannen und Krüge, die so einen hübschen Schutzüberzug erhielten. Die Nachfrage wuch in den nächsten 100 Jahren so rasant, dass ein bedeutender Industriezweig entstand: Im Jahr 1927 wurden in Deutschland in 330 Emaille-Werken Küchengeschirr produziert.

Die eher grobschlächtige Emaille war zwar nicht so schön wie ihre zarte Schwester, das Porzellan, war aber auf Grund seiner Eigenschaften ebenso beliebt, wenn nicht sogar beliebter. Es besaß eine glänzende und glatte Oberfläche, die sich gut reinigen ließ, es war geschmacksneutral, hitzebeständig und vor allem ging es nicht so schnell kaputt, wie Porzellan. Die Emailleschicht sorgt dafür, dass das Metall die Hitze gleichmäßig leitet. Zudem sorgt die Schicht dafür, dass die Lebensmittel nicht direkt mit dem Metall in Verbindung kommen. Daher rostet Email nicht. Emaille eignete sich zum Erhitzen und Braten auf allen Herden, wegen seiner guten wärme leitenden Eigenschaften. Emaille wurde aufgrund dieser Eigenschaften zum unentbehrlichen Helfer in der Küche. Email war übrigens nicht immer nur weiß, sondern war oft bunt bemalt oder gemustert.

Die Emaille kam zu einer Zeit in Mode, als sich so einiges in deutschen Küchen änderte: Nach den Choleraepidemien im ausgehenden 18. Jh. wurde den Menschen allmählich der Zusammenhang Hygiene, Sauberkeit und Gesundheit bewusst. Der Bevölkerung wurde klar, dass besonders die Küche ein hervorragender Nährboden für Bakterien und Pilze aller Art darstellten. Wir verdanken dieses Wissen dem Chemiker Max von Pettenkofen, der als erster Hygieniker gilt. Die Folge des neuen Hygienebewusstseins waren weiß gestrichene Küchen und fortan dienten die neuen Küchenschränke, die guten alten Küchenbuffets zur Lagerung von Tellern, Tassen, Töpfen und Co.

Auf den weißen Flächen ließ sich Schmutz besser erkennen und in den Schränken ließ sich besser Ordnung halten. Aber nicht nur das Aussehen der Küche änderte sich, sondern auch die Art zu kochen und die Tischsitten. Die Emaille ermöglichte ich neue Formen des Kochens: So konnte z.B. Fleisch in einem Bräter auf dem Herd scharf angebraten werden und nach dem Ablöschen konnte das Ganze einfach in den Ofen geschoben werden. Wenn vorher der Eintopf an der Tagesordnung stand, konnten nun auf einfachem Wege unterschiedliche Lebensmittel zu einer Hauptspeise kombiniert werden. Eigentlich entstand erst zu dieser Zeit, die für uns typische Form des Essens: Ein Hauptbestandteil (z.B. an besonderen Tagen Fleisch), mehrere Sättigungsbeilagen (z.B. Rotkohl und Salzkartoffeln) und Soße. Wurde zuvor die gemeinsame Suppe aus einer großen Schüssel gelöffelt, brauchte nun jeder einen eigenen Teller. Wenn jeder einen Teller braucht, sind das ganz schön viele Teller. Einer solch hohen Nachfrage konnten die traditionellen Töpfereibetriebe nicht nachkommen und so kam es, dass die große Stunde der Emaille schlug.

Mit dem Aufkommen von Edelstahl und günstigem Plastik war die große Zeit der Emaille in der Küche vorbei. Aber auch heute noch findet Emaille Anwendung: z.B. in der Milch-, Chemie und Brauwirtschaft. Auch die Oberflächen vieler Badewannen bestehen aus Emaille.

Doch auch wenn die große Zeit der Emaille vorbei ist, so liegt sie immer noch bei Liebhabern im Trend, denn sie sehen nicht nur gut aus, sondern geben dem einen oder anderen klassischen Gericht die Extraportion Charme.

Literatur:

Rita Mielke: Niederrheinische Küchengeschichte(n). Das warme Herz des Hauses (Duisburg 2008)

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