Weihnachten im Barock

Noch ist es hier nicht weihnachtlich, aber im Barock schon. Na ja, etwas Meine abgebrannte Wohnung kann ja nix dafür. Also: Während ich versuche, mich in meiner abgebrannten Wohnung wieder wohnlich einzurichten, erzähle ich Euch, wie im Barock Weihnachten gefeiert wurde. Und wir sind ja auch nicht viel zu früh, denn immerhin gibt es gerade seit Ende Oktober Weihnachtsprodukte.

Essen mit Karl-Wilhelm und seiner Dienerschaft – Ein kulinarischer Ausflug ins Barock

Stellt euch vor, ihr würdet im Karlsruher Schloss zur Zeit Karl-Wilhelms leben – das Herzstück des Hofes, umgeben von einer Flut an köstlichen Speisen, umrahmt von festlichen Traditionen und geschäftigen Dienern. Der Winter im Barock hatte seine ganz eigenen kulinarischen Highlights, die sich deutlich von den heutigen Feiertagstraditionen unterscheiden. Lasst uns auf eine Reise in diese glanzvolle Epoche gehen und herausfinden, wie das Leben und Essen unter Karl-Wilhelm und seiner Dienerschaft aussah!

Weihnachten im Barock – Vor dem Advent ist nach dem Advent

Weihnachten begann im Barock nicht, wie bei uns, mit der Adventszeit am 1. Dezember. Nein, bei Karl-Wilhelm wurde die Weihnachtsvorbereitung bereits Ende November eingeläutet. Am 25. November, dem Katreinstag, war der Startschuss für das große Festessen gefallen. Dieser Tag war gleichzeitig der Name der heiligen Katharina und auch der Zinstag der Bauern und Pächter. Auf ihren Höfen hatten sie Zinsgut zu liefern – vor allem Gänse, Enten, Hühner und Eier – alles, was sich später auf dem Festtisch wiederfand. Die Bauern brachten ihre Tiere direkt ins Schloss, wo sie von den Bediensteten sorgfältig ausgesucht und gewogen wurden. Eine genaue Buchführung gab es natürlich auch, Zinsbücher waren ein Muss.

Der Katreinstag war für das Gesinde (also die Dienerschaft) eine besondere Freude: Denn hier wurde nicht nur das Geflügel für Weihnachten ausgesucht, sondern auch das letzte Mal ausgelassen gefeiert, bevor die strengen Fastenregeln des Advents in Kraft traten. Die Dienerschaft konnte also noch einmal tanzen und fröhlich sein – und das war ein Anlass, den viele in vollen Zügen auskosteten.

Geschenke, Lebkuchen und Festtagsbraten – Ein Blick auf die Weihnachtsbräuche

Weihnachten im Barock war in vielerlei Hinsicht anders, als wir es heute kennen. Geschenke gab es nicht etwa am Heiligen Abend, sondern am 6. Dezember, dem Nikolaustag. Was wurde verschenkt? Keine Smartphones oder Spielzeuge, sondern polierte Äpfel, Orangen oder lebende Tiere wie Vögel und Hasen – die wurden natürlich nicht verzehrt, sondern eher als Zierde betrachtet. Kekse und Lebkuchen standen damals noch nicht in den Regalen, da Zucker teuer war, doch Lebkuchen aus Honig und Trockenfrüchten erfreuten sich großer Beliebtheit. Diese wurden oft in Formen gepresst, die Szenen aus der Bibel oder dem höfischen Leben darstellten.

Und wo wir gerade bei den Lebkuchen sind: Diese hielten sich gut und waren auch ein praktisches Reiseproviant. Es war übrigens eine Tradition, dass der Nikolaus nicht nur das Schloss beschenkte, sondern auch die Kinder aus der Stadt. Für sie war es ein wahrer Luxus, ein Stück Lebkuchen oder eine Orange zu bekommen – eine zarte Erinnerung an die teuren Köstlichkeiten des Hofes.

Fastenzeit und kulinarische Entbehrungen

Im Barock war die Adventszeit eine strenge Fastenzeit, in der Fleisch tabu war. Fisch war jedoch erlaubt – und damit ging es richtig los! Die Fischerei war ein Privileg des Adels und der Klöster, und so gab es im Schloss allerlei Fischarten – von Hecht und Stör bis hin zu Karpfen und Krebse. Besonders beliebt war die Zubereitung von Fischbratwürsten, ein kurioses, aber durchaus schmackhaftes Gericht.

Aber auch die Gemüseversorgung war gesichert: Im Schlossgarten wurde fleißig angebaut, und das Gemüse wurde im Winter in Sandbeeten im Keller gelagert. Bevor es ans Essen ging, gab es immer ein Gebet, und so begann jede Mahlzeit mit einer stillen Andacht.

Vom kargen Frühstück der Armen bis zum Festmahl der Herrschaft

Das Frühstück im Barock war sehr einfach – vor allem für die Armen. Getreidebrei in Wasser gekocht, vielleicht etwas Honig, wenn man Glück hatte, aber kein Brot und schon gar kein Kaffee oder Tee. Diese Getränke waren viel zu teuer für den Alltag und wurden nur zu besonderen Anlässen gereicht. Das Essen der ärmeren Bevölkerung bestand oft aus Kohl, während die Reichen sich an Festtafeln versammelten, die alles zu bieten hatten – von feinstem Wild bis hin zu edlen Weinen und Gewürzen.

Fleisch war ein wahres Luxusgut, und für den Winter wurden die Schweine nach der Wintersonnenwende, am 21. Dezember, geschlachtet. Nichts wurde verschwendet – alle Teile des Schweins wurden verarbeitet, von Schinken bis Blutwurst. Ein weiterer Höhepunkt war das Schmalzgebackene, ein Dessert, das in heißem Öl ausgebacken und mit Honig beträufelt wurde. Mmmh!

Ein Hauch von Luxus: Gewürze und Getränke für die Herrschaft

Und was wäre eine barocke Festtafel ohne Gewürze und edle Getränke? Im Winter kamen die Gewürzhändler aus dem Süden ans Schloss und brachten teure Kostbarkeiten wie Pfeffer, Nelken, Muskatnuss und Zimt. Diese wurden sparsam, aber gezielt eingesetzt – nicht in großen Mengen, aber immer präsent, um den Reichtum und den Wohlstand des Hauses zu zeigen. Zitrusfrüchte wie Orangen und Zitronen, die aus Portugal kamen, fanden ebenfalls ihren Weg auf den Tisch und wurden aufgrund ihrer Vitamin C-reichen Eigenschaften geschätzt – ein frühes Mittel gegen Skorbut!

Neben edlen Gewürzen durfte auch der Wein nicht fehlen. Dieser wurde oft mit Zimt umgerührt, was dem Getränk eine ganz besondere Würze verlieh. Für die feine Gesellschaft gab es außerdem heiße Schokolade und Starkbier – letzteres ein durchaus erlaubtes Getränk während der Fastenzeit.

Die Köchin und ihre Dienerschaft – Eine gut organisierte Schlossküche

Die Küche des Schlosses war ein wahrer Ort der Geheimnisse und kulinarischen Kunst. Angeführt von der Köchin, die auch für die Verwaltung der Vorräte zuständig war, sorgte eine Vielzahl an Dienern und Handwerkern dafür, dass der Adel zu jeder Mahlzeit auf höchstem Niveau versorgt wurde. Vom Kesselflicker, der die teuren Töpfe reparierte, bis hin zu den Zuckerbäckern, die für die Kreation der ersten Torten verantwortlich waren, gab es viele Handwerker, die dem Schlossleben ihren Stempel aufdrückten.

Die Essenszubereitung selbst war kein einfaches Unterfangen. Die Köchin musste sich stets auf die Qualität und Frische der Zutaten verlassen – und das in einer Zeit, in der Kühlschränke ein Fremdwort waren! Frisches Fleisch war ein Luxus, der mit viel Aufwand erhalten werden musste, und die Teigwaren und Brote wurden nach strengen Rezepten zubereitet.

Fazit: Eine barocke Küche voller Vielfalt und Reichtum

Die barocke Küche im Schloss von Karl-Wilhelm war mehr als nur eine Ansammlung von Mahlzeiten. Sie war ein Spiegelbild des Reichtums und der Macht des Adels, aber auch der harten Arbeit und der engen Organisation der Dienerschaft. Das Essen war oft schwer, kalorienreich und üppig, mit einer Mischung aus süßen und herzhaften Aromen, die typisch für die Zeit war. Für die Herrschaft war es ein Fest der Extravaganz, für das Gesinde ein Moment des Ausgelassenseins, bevor der strenge Alltag und die Fastenzeit begannen.

Und auch wenn der Weihnachtsbaum noch nicht erfunden war und die Kekse noch nicht allgegenwärtig, so gab es doch viele kleine Details, die das Fest zu etwas Besonderem machten – ein Vorgeschmack auf die festlichen Traditionen, die wir heute so lieben.

Das Rezept zum Objekt:

Vorspeise

Fischsuppe
Zutaten: Salz, Pfeffer, Lorbeer, Wacholder, Suppengrün, Zwiebel, Knoblauch, Fisch, Flusskrebse oder Garnelen

Suppengrün und Zwiebel würfeln
In Butter anschwitzen
3,5 Liter dazu, aufkochen
Währenddessen den Fisch in mundgerechte Stücke schneiden
in die Suppe geben, Hitze reduzieren und 7-10 ziehen lassen
Abschmecken


Hauptspeise

Fischbratwurst
Zutaten: Fischfilet, Zwiebel, Pfeffer, Salz, Gartenkräuter, Zitronensaft, Natur- oder Kunstdarm, Garn

Fischfilet & Zwiebel ganz fein hacken und mit den Kräutern vermischen und würzen
Mit Trichter in den Darm füllen, Darm zuknoten
Wie Bratwürste anbraten (oder in den Ofen)

Pastete
Zutaten:  2 kg Hackfleisch, Speck, 5-6 Eier, Blätterteig, Semmelbröselbutter, Toast, Zwiebel, Gartenkräuter, Pfeffer, Salz, Zimt

5 Scheiben Toast einweichen
Hackfleisch mit, den Eiern und Gewürzen mischen
Den Braten wie ein Brot formen
Mit Speck umwickeln
Mit Blätterteig umwickeln
Verzieren und mit Eigelb bepinseln
45-60 Minuten bei 200 Grad in den Ofen

Semmelbröselbutter herstellen

Maultaschen
Zutaten: Nudelteig, 1 kg Hackfleisch, Petersilie, Zwiebeln, Pfeffer, Salz, Zimt, Eigelb

Hackfleisch mit gewürfelten Zwiebeln anbraten, würzen, abkühlen lassen
Nudelteig ausrollen und in 8cm breite Streifen schneiden
Mit Eigelb bepinseln
mit einem Teelöffel alle 8 cm ein Häufchen Hackfleisch auf die Pasta geben
Einen zweiten Streifen über den ersten legen, ausstechen und die Ränder gut andrücken
10-15 Minuten in Brühe ganz leicht köcheln lassen

Herzhafter Gugelhupf
760g Mehl, 1 Hefewürfel, 300 ml Wasser, 160g Butter, 2 Eier, Salz, 200g Speck, 200g geriebener Käse, 1 Stange Lauch

Hefewürfel in Wasser auflösen
Wasser, Butter, Salz und Mehl zu einem Teig kneten, 40 Minuten gehen lassen
In der Zwischenzeit Speck und Lauch anbraten
Abkühlen lassen und mit dem Käse zum Teig geben
Alles gut miteinander verkneten
In Kuchenform geben und 45 Minuten bei 180 Grad backen

Dessert

Schmalzgebackenes
1 kg Mehl, 600ml Wasser, Zucker, 2 Hefewürfel, Zitronen, Orangen, Apfel, Honig

Einen Teig herstellen, 30 Minuten gehen lassen
Ausrollen und in 8×8 cm breite Quadrate schneiden
Mit Eigelb bestreichen
Die Quadrate mit Zitronen-, Orangenfilets oder mit Apfelstreifen belegen und zusammenklappen.
In einem Topf mit heißem Öl ausbacken
Mit etwas Honig beträufeln

Süße Streusel
600g Mehl, 300g Butter, 300g Zucker

Mürbeteig herstellen
Streusel herstellen
30 Minuten bei 200 in den Ofen

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